Occupy muba 2013

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Was Ihnen die muba und gewisse Aussteller lieber verschweigen würden!

Update vom 27.02.2013, 13:00 Uhr: Bereits am Sonntag haben wir hier ganz knapp kritisch den Stand der Sekte Scientology an der diesjährigen muba angetönt. Jetzt ist das Thema auch bei der Politik und den Medien angekommen (BaZ vom 27.02.2013: Wirbel um Scientology-Stand an der Muba)! Zu Scientology sei zum Beispiel der Dokumentarfilm über ihren Geheimdienst OSA und dessen Spione empfohlen: Das Office of Special Affairs. Und hier gibts ein 8-minütiges Video von Anonymous, welches Scientology zusammengefasst erklären soll: Anonymous erklärt Scientology. Zuletzt sei noch diese Seite empfohlen, welche ausführlich aufführt warum Anonymous gegen Scientology vorgeht: Why we Protest.

Vom 22.02.2013 bis 03.03.2013 findet in Basel zum 97. mal die alljährliche Mustermesse Basel, kurz muba, statt.

Die grösste Publikumsmesse der Schweiz lockte im Jahr 2012 über 300’000 Leute an, welche durchschnittlich knapp 1’200 Franken ausgegeben haben. Das sind aber bei weitem nicht die einzigen Einnahmen, müssen doch zusätzlich alle Aussteller sehr hohe Standgebühren berappen und die Besucher bezahlen alle für den Eintritt. Für genügende Publicity wird unter anderem mittels hunderter TV- und Radiospots sowie Zeitungsinseraten gesorgt. Es geht also um sehr viel Geld. Jedoch, wie in den meisten Fällen wenn es um viel Geld geht, sind damit auch viele Kehrseiten verbunden, welche von Seiten der MCH Group AG, der muba-Veranstalter und von gewissen individuellen Ausstellern lieber unter den Teppich gekehrt würden.

Da wir der Meinung sind, dass diese Kehrseiten mehr Aufmerksamkeit verdient hätten, werden wir an dieser Stelle ausführlich über diese berichten. Sie werden erstaunt sein, welche Folgen alle mit einem Konsumtempel von diesem Ausmass verbunden sind!Unzivilisiert_Zivilisiert

Elektronische Geräte

Ein Schwerpunkt der muba, aber auch vieler anderer Mustermessen, ist immer der Verkauf von elektronischen Geräten. Von Staubsaugern, Bügeleisen und Waschmaschinen bis zu Computer und Handys. Es ist davon auszugehen, dass ein Grossteil der Besucherausgaben in diesem Bereich zustande kommt. Bei all diesen Geräten gibt es von Herstellung bis Entsorgung unzählige Punkte, welche immer gerne ausgeblendet werden, wenn es darum geht, dass die Gesellschaft durch Konsum glücklicher und fortschrittlicher werde:

– Rohstoffverbrauch: Die Herstellung solcher Mengen elektronischer Geräte ist sehr rohstoffintensiv. Teilweise “nur” durch den hemmungslosen Verbrauch fossiler Rohstoffe wie Erdöl, oft aber auch durch die Ausbeutung verschiedenster Mineralien, in vielen Fällen sogar seltener Erden (Infosperber vom 13.02.2012: Deutscher Erfolg im weltweiten Kampf um Rohstoffe). Die Gewinnung wiederum ist sehr energieintensiv, die Umweltschäden massiv, die Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter katastrophal (Infosperber vom 09.11.2011: An Handys und Computern klebt Blut) und durch mangelhaftes Recycling stossen die Reserven vieler Mineralien in absehbarer Zeit an die Grenzen der vollständigen Ausbeutung. Der Rohstoffhandel ist zur Zeit einer der am schnellsten wachsenden, mit starker Beteiligung der Schweiz: Genf ist die weltweit grösste Drehscheibe für Rohstoffe (SRF Eco vom 20.06.2011: Genf: Welthauptstadt der Rohstoffe und Der Funke vom 24.07.2012: Rohstoffhandel – Ein Fleck auf der weissen Weste der Schweiz). Grosse Rohstoffhändler wie zum Beispiel Glencore haben ihren Hauptsitz in der Steueroase Schweiz (Infosperber vom 10.10.2012: Das lukrative Geschäft mit dem Bankgeheimnis). Grösstenteils beruht dieser Rohstoffverbrauch auf massiver Ausbeutung von Entwicklungsländern (Infosperber vom 11.10.2012: Der ausbeuterische Rohstoffhandel und Infosperber vom 28.11.2012: Armut für Sambia – Profit für die Schweiz).

– Arbeitsbedingungen bei der Herstellung: Auch die Herstellung dieser Güter ist oft sehr energieintensiv. Das grösste Problem liegt aber eindeutig in den Arbeitsbedingungen: Die meisten Geräte werden heutzutage in China hergestellt, wo Arbeiterrechte einerseits nur sehr schwach ausgebaut sind, andererseits von den grossen Produktionsfirmen gezielt verletzt werden. Obwohl in China beispielsweise Mindestlohnanforderungen von 80 Dollar pro Monat bei einer maximalen Tagesarbeitszeit von 8 Stunden existieren, lassen internationale Grossunternehmen ihre Arbeitnehmer gleich zwei Schichten bei halbem Lohn arbeiten. Auch die Sicherheit ist aus dieser Sicht nur ein unnötiger Kostenfaktor. Foxconn (Hersteller elektronischer Geräte für Apple, Samsung, HP und weiteren) ist wiederholt in den Schlagzeilen wegen wiederholten Skandalen mit Unruhen, Selbstmorden und Bränden (Spiegel Online vom 27.09.2011: Fabrik von Apple-Zulieferer gerät in Brand).

– Lebenszyklen technischer Geräte: Diese entwickeln sich durch den technischen Fortschritt in immer höherem Tempo weiter. Alltägliche Werbung und spezielle Angebote drängen uns zu immer mehr und kurzlebigerem Konsum. Jährlich ein neues Handy zu erhalten ist dabei nur ein kleines Beispiel. Das reicht aber noch nicht, um den Wachstumsdrang der Wirtschaft (TagesWoche vom 10.01.2013: In der Wachstumsfalle) aufrecht zu erhalten: Durch sogenannt geplante Obsoleszenz (Veraltung) erhalten technische Geräte ein künstliches Verfallsdatum: Ein Drucker zeigt mit Hilfe eines eingebauten Zählchips bei einer vorprogrammierten Anzahl gedruckter Seiten einen technischen Defekt an. Beim Verkäufer wird einem dann von einer Reparatur ab-, bzw ein Neukauf angeraten. Das klassischste Beispiel geplanter Obsoleszenz: Zu Beginn hatten herkömmliche Glühbirnen eine Lebensdauer von einigen tausend Stunden. Durch gezielte Qualitätsverschlechterung eines marktbeherrschenden Glühbirnenkartells wurde diese dann auf 1000 Stunden gedrückt. Oder iPods mit schnell aussetzenden Akkus, wo lange Zeit der ganze iPod ersetzt werden musste. (Beobachter vom 30.11.2012: Der Defekt ist Teil des Geschäfts und arte vom 23.01.2012: Kaufen für die Müllhalde).

– Entsorgung: Auch bei der Entsorgung wird besonders bei elektronischen Geräten an allen Ecken gespart: Anstatt recycelbare Rohstoffe wiederzugewinnen und den Rest möglichst umweltgerecht zu entsorgen, werden riesige Mengen von Elektronikschrott in Containerschiffen nach Afrika, insbesondere nach Ghana, geschifft. Dort werden wiederverwendbare Rohstoffe von Kindern ohne Gesundheitsvorkehrungen wiedergewonnen, indem die Geräte zerschlagen werden und das Plastik verbrannt wird (Spiegel Online vom 06.12.2009: Euro Computer vergiften unsere Kinder). Enorme Gesundheits- und Umweltsschäden sind die logische Konsequenz. Und dies trotz internationalen Abkommen, welche den Export von Elektroschrott verbieten würden.
Ausserdem werden in sehr vielen Ländern Kunststoffabfälle nicht konsequent verbrannt (was klimatisch und rohstofftechnisch auch verheerend ist), sondern deponiert oder sogar direkt im Meer entsorgt. Das Resultat sind riesige “Plastikinseln” in den Weltmeeren, dort wo die verschiedenen Meeresströmungen zusammentreffen (Infosperber vom 12.08.2012: Die Plastikmüll-Apokalypse in den Weltmeeren).

– Lösungsansätze: Am Wichtigsten wäre hier ein massvoller Konsum. Das bedeutet nicht Rückschritt und Höhlenbewohnerdasein, sondern bessere Ausnützung der vorhandenen Güter. Viele elektronische Produkte müssten nicht in jedem Haushalt vorhanden sein, sondern könnten mit minimaler Organisation von vielen Leuten geteilt werden. Entsprechende Tausch- und Schenkkreise sind mit der sich ausbreitenden Krise stark im Aufwind (Der Tagesspiegel vom 23.02.2013: Reichtum für jeden: Leihen statt kaufen). Die verbrauchten Ressourcen müssen gerecht verteilt oder vergütet werden, die einseitige Ausbeutung von Entwicklungsländern, oft noch als Entwicklungshilfe getarnt, muss dringend gestoppt werden. Die notwendige Energie muss schnellstmöglich komplett erneuerbar hergestellt werden. Fossile Energieressourcen wie Erdöl, Erdgas und Kohle, aber auch Atomenergie, führen früher oder später in eine Sackgasse. Die Produktionszyklen müssen unbedingt geschlossen werden, ein interessanter Ansatz dazu ist die “From Cradle to Cradle”-Idee (Michael Braungart: From Cradle to Cradle), bei welcher es darum geht, dass alle verwendeten Rohstoffe nachwachsen oder zu 100% recycelt werden können, im Gegensatz zu heutigen Produktionszyklen, wo am Ende oft  90% Abfall stehen.

Textilien

Auch im Bereich von Textilien liegt heutzutage sehr viel im Verborgenen. Auch hier ist von Umweltzerstörung, Ausbeutung und Gesundheitsschäden alles zu finden:

– Anbau: Der Anbau von Baumwolle verbraucht riesige Mengen an Energie, Wasser, Düngemitteln und hochgiftigen Pestiziden (Greenpeace marktcheck: Fakten & Zahlen zur Baumwollproduktion). Ausserdem wird ein Grossteil der Baumwolle aus gentechnisch veränderten Pflanzen gewonnen, mit verheerenden Folgen für die Umwelt. Ausserdem entpuppen sich immer mehr “Vorteile” der Gentechnik als PR-Märchen (oekonews vom 22.02.2013: Indien: Gen-manipulierte Baumwolle lässt die Erträge sinken und Heise.de vom 27.07.2006: Genpflanzen verringern nicht den Pestizidverbrauch), was wiederum zu grossen sozialen Problemen führt (Huffington Post vom 28.04.2009: Why 200’000 Indian farmers committed suicide since 1997). Grundsätzlich bringen die sich ausbreitenden Monokulturen sehr viele Probleme mit sich. Da synthetische Fasern aber auch einige Nachteile aufweisen und ausserdem künstlich aus Erdöl hergestellt werden müssen, ist das auch keine wahre Alternative (Ratgeber-Alltag vom 14.02.2013: Synthetische Kleidung: Vor- und Nachteile von Polyesterstoff).

– Produktion: Auch hier steht wieder Ausbeutung von ArbeiterInnen und Gesundheitsschäden an oberster Stelle, hier vor allem in Ländern wie Indien und Bangladesch (BR vom 21.02.2013: Schwieriger Stoff: Wer bezahlt für unsere Billigklamotten), auch dort ist kürzlich eine Firma abgebrannt (NZZ vom 02.12.2012: Die versteckten Kosten von Tiefpreisen). Vor allem bei der Färbung und beim Zusammennähen verschiedener Kleiderstücke wird ohne Rücksicht gespart (Infosperber vom 07.12.2012: Kleider und Schuhhersteller gehören an den Pranger). Sehr viele Modelabels verwenden hochgiftige Stoffe bei ihrer Produktion, was für ArbeiterInnen und Umwelt sehr schlecht ist, und teilweise auch Probleme bei den Trägern verursachen kann. Greenpeace fährt zur Zeit eine grosse Kampagne zur Entgiftung der Kleiderproduktion (Greenpeace vom 20.11.2012: Die giftige Masche der Modemarken), aktuell sträubt sich Migros etwas zu verändern (Greenpeace vom 19.02.2013: Die Migros hält Greenpeace hin). Unter Jeans-Geografie versteht man die vielen Zwischenhalte des Produktionsweges, welcher im Falle von Jeans mindestens einmal um die ganze Erde führt bis sie bei uns in den Läden liegen (JeansWeltReise). Schlussendlich wird auch hier mit der angebotenen Qualität ein baldiger Neukauf angetrieben.

– Entsorgung: Kleidersammelstellen vermitteln uns das Gefühl, dass wir etwas Gutes tun, wenn wir unsere alten Kleider durch neue ersetzen. Leider ist auch das nicht die ganze Wahrheit: Ein grosser Teil der Kleider wird in Entwicklungsländer exportiert, wird dort aber nicht zur Armutsbekämpfung gespendet, sondern verkauft und zerstört somit die lokalen Märkte (Zeit Online vom 04.11.2011: Altkleidersammlung: Das Kilo für 1.20 Dollar).

– Lösungsansätze: Biologisch angebaute und fair-trade produzierte Kleider sollten breiter angeboten werden. Wenn die Händler dies nicht zur masslosen Marge-Steigerung missbrauchen würden, wäre das auch finanziell für viel mehr Leute umsetzbar. Die minimalen Qualitätsstandards müssen erhöht und durchgesetzt werden, die Produktion sollte so konsequent wie möglich auf bedenkliche Stoffe verzichten. Auch Second-Hand-Kleider können oft die gleichen Anforderungen erfüllen.

Wahlmöglichkeiten_Konsum

Man könnte das Sündenregister jetzt wahrscheinlich noch beliebig weiterführen, von Landwirtschaftsprodukten ohne biologische Standards, viel zu grosszügigem Einsatz von Gift im Garten und die damit verbundenen Schäden wie massives Bienensterben (Aargauer Zeitung vom 31.01.2013: More Than Honey und Imker-Film räumen bei Solothurner Filmtagen ab), bis zum Stand von Scientology an der diesjährigen muba (wahrscheinlich der Ersatz für uns, nachdem wir nicht hinhalten wollten für Imagepflege und gleichzeitig noch abgezockt zu werden), den Medien als Teil der Desinformation, usw. Zu ausführlichen weiteren Informationen zu den Folgen von Wirtschaftswachstum, Konsum, … empfehlen wir unsere sehr ausführliche Sammlung von Zeitungsartikeln!
Da dieser Artikel aber schon eine beträchtliche Länge hat, möchten wir hier noch auf etwas besonders Spezifisches eingehen:

Neubau Messehalle

Vor kurzem wurde der Neubau der Messehalle eröffnet, welcher nicht übersehen werden kann. Abgesehen davon, dass sich dieser völlig überdimensionierte Klotz alles andere als ins Stadtbild einpasst und sämtlichen Nachbarn die Sonnenstunden massiv reduziert, ist auch beim Bau sehr viel Fragwürdiges bis Illegales abgelaufen. Während der ganzen Bauphase haben sich Verletzungen von Arbeitnehmern und Lohndumping-Skandale in immer kürzer werdenden Intervallen abgewechselt. Nachdem vor allem die Gewerkschaft Unia immerwieder auf Verletzungen hingewiesen und Lohndumping-Verdächte geäussert hat, kamen immer mehr Ungereimtheiten ans Tageslicht: Eine Gipserfirma, welche polnische Gipser 58 Stunden pro Woche bei einem Lohn von 14 Franken pro Stunde schuften liess (TagesWoche vom 28.11.2012: Lohndumping: Kontrolleure werden fündig). Eine Elektronikfirma, welche Löhne in der Höhe von 400’000 Franken nicht bezahlte (TagesWoche vom 06.02.2013: Grösster Lohnskandal: Es geht um 400’000 Franken). Der weltweit grösste Liftbauer, Schinder, sorry Schindler, welcher 50jährige polnische Liftbauer mit langjähriger Erfahrung als Praktikanten anstellte und dementsprechend bezahlte (TagesWoche vom 14.02.2013: Schindlers Praktikanten). Und das Beste daran: Bis beinahe zuletzt wollte der CEO der hauptverantwortlichen MCH Group AG nichts von all den Skandalen wissen (Schweiz Aktuell vom 14.12.2012: CEO der Messe Schweiz weist alle Vorwürfe zurück). Schlussendlich wurde eine Skulptur zu Ehren der Arbeiter abgelehnt, diese würden mit einem Mittagessen und einem Schweizer Sackmesser ausreichend gewürdigt (TagesWoche vom 08.02.2013: Messe lehnt Denkmal für Bauarbeiter ab).

Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit!

Das soll wie bereits gesagt keine abschliessende Aufzählung sein, wir hoffen aber, dass wir dazu beitragen konnten, dass Sie Ihre Einkäufe bei der muba und auch zukünftige Konsumentscheide ein bisschen bewusster treffen können.
Der Vollständigkeit halber sei zum Schluss noch erwähnt, dass wohl auch die Veranstalter und die Aussteller von all diesen Problemen wissen. Eventuell der Grund dafür, dass Nebenangebote wie die Natura-Messe existieren. Und auch die meisten Aussteller werden grüne Produktlinien im Angebot haben. So dass Ihr Gerät zwar trotzdem kaputt geht nach Ablauf der Garantie und in Ghana auf der Müllhalde landet, aber hey, es hat 10% weniger Strom verbraucht in seinem kurzen Leben!

Gerne hören wir dazu Ihr Feedback, entweder direkt hier als Kommentar oder jederzeit auch an unsere Emailadresse occupy@occupybasel.ch . Zu unseren vergangenen Aktionen finden Sie alle Informationen auf dieser Homepage, insbesondere unter Themen. Wir werden auch in Zukunft aktiv sein und in unseren Kernbereichen informieren und Aktionen durchführen. Immer am 2. und 4. Sonntag im Monat führen wir einen Filmabend im Quartiertreffpunkt LoLa durch, bei welchen sie herzlich willkommen sind. Bei Interesse würden wir uns freuen, wenn Sie sich in unseren Newsletter eintragen würden. Auch über finanzielle Unterstützung freuen wir uns immer sehr, leider haben wir keinen Wirtschaftsverband im Rücken welcher schnell ein paar Millionen locker machen will für unseren Aktivismus.

Herzlichen Dank, die Aktivisten von Occupy Basel

2 Kommentare

  1. Pingback: Occupy MUBA 2013 | Occupy Zürich

  2. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: ca. im 14. Jh. königliches Recht, Messen abzuhalten. Messen sind historisch auch eine Stätte für Clearing. Das ist die connection zu Occupy BIZ.
    Die ganzen Aktivitäten mittlerweile sehr gut online machbar wären. Es gibt eine Spanische Firma, die virtuelle Messen anbietet. Klar gibt es keinen Ersatz für 1:1 Treffen. Aber ist “Prestige” Entschädigung genug? Egloff meint “sicher.”
    Gibt es eine legitime Notwendigkeit für die gefährliche Sklavenarbeit beim Bau der Hallen und den alljährlichen Auf- und Ab-bau der Stände, welche an der BASEL obszöne Ausmasse erreicht?
    Wann wurde zuletzt die idiologische Stütze für muba, und Messe Schweiz allgemein hinterfragt?
    Bspw. das Argument, es brächte der Region Arbeit. Gastro ist zu einem hohen Anteil quasi-Sklavenarbeit, Hostessen-Arbeit von zweifelhafter Würde. (Und wie viele davon sind überhaupt Basler?!)
    Die Olympischen Spiele sind quatsch, aber ich wäre dafür, dass die Art nicht zwischen Basel und Miami Beach pendelt, sondern zwangsweise in Togo Zwischenhalt machen müsste. Wer ist dafür? Die Künstler wären vorne dabei, das garantiere ich!
    Es ist höchste Zeit zu hinterfragen, inwiefern wir es überhaupt ‘juristischen Personen’ erlauben wollen, ihre PR-Arbeit (zu denen Messen gehören) als Geschäftsausgaben vorsteuerlich vom Umsatz zu subtrahieren. Es muss möglich sein, die Informationen anders zu teilen, und im Sinne des Souveräns (übrigens auch die Informationen, die wir täglich für ein paar lumpige Bonuspunkte den Supermärkten schenken!)
    Wenn man das vernünftig einrichtet, gibt es einen “local bias” (Adam Smith, David Ricardo).
    Vergessen wir auch nicht Smith’s Äusserung “When two business people meet, there’s a conspiracy against the public, usually to raise prices” (Gedächtniszitat).
    Wie übrigens auch alle Kirchen, muss man sich fragen, ob die grössten Häuser mitten in der Stadt exklusiv solventen Private zur Verfügung stehen sollten, die Ende Jahr via Unternehmensbilanz die kosten an die 99% weiterreichen. Man muss untersuchen, ob die Externalitäten (z.B. Aufräumkosten) gerecht verteilt sind. Bin selber ein elitärer Hund, der massiv abkassiert hat (andere Geschichte), lege aber bei jeder Gelegenheit face-to-face, mit meinem echten Namen und einem Lächeln meine Hand ins Feuer für die Aussage, dass mindestens die Security-Leute sträflich unterbezahlt sind. Diese Tradition reicht Jahrhunderte zurück.
    Ich konnte das kurzfristig nicht bestätigen lassen, aber es gab einmal einen Bericht, die Herbstmesse liefere gratis Strom an alle Bahnen-Betreiber. An Herbschtmäss und Weihnachten ist Fukushima kein Thema.
    Ganz am Schluss kann man dann gerne noch Scientology erwähnen.

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