Massive Eigenkäufe bei der BKB

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Dieser Artikel wurde am 20.11.2012 aktualisiert: Quellen wurden ergänzt und gewisse Aussagen konkretisiert. Alle zu dem Thema erschienenen Zeitungsartikel wurden verlinkt.

Der Ursprung von Occupy wurde durch die unregulierte Finanz-Industrie besiegelt. Globale Finanzinstitute infiltrieren die Politik und reissen sämtliche Macht an sich (Infosperber über den Dokumentarfilm “Goldman Sachs: Eine Bank lenkt die Welt”) Dadurch verschärft sich die Ungleichheit, die reichen Banken bereichern sich zusätzlich auf Kosten der armen Bevölkerung. Die von den Banken verursachte Krise muss vom Volk ausgebadet werden, und die Banken verdienen sich sogar noch eine goldige Nase dran! (Von Infosperber: Der grösste Raubzug der Geschichte)

Ganz vorne mit dabei sind die global tätigen Schweizer Banken UBS und CS, aber auch viele andere Schweizer Banken (Infosperber: Das lukrative Geschäft mit dem Bankgeheimnis).

In Basel befindet sich die Basler Kantonalbank (BKB), und die gibt sich alle Mühe, uns auch gegen sie genügend Angriffsfläche zu bieten! Ein Skandal folgt dem nächsten! Occupy Basel war von Anfang an darum bemüht, um auf diese Machenschaften hinzuweisen. Dank der Staatsgarantie wird mit einem Wettbewerbsvorteil und zu Lasten des Steuerzahlers spekuliert und gezockt. Im Februar wurde bekannt, dass die USA auf die BKB aufmerksam geworden ist, weil diese Steuerflüchtlinge von der UBS übernommen hat. Occupy Basel war da, und hat dagegen protestiert, dass das Volk für die Gier und Dummheit der BKB-Manager bezahlen muss. Lest hier alles darüber: Schwarzgeld-Skandal bei der BKB.
Im Mai bei der Generalversammlung der BKB haben wir zahlreiche Partizipationäre darauf hingewiesen, dass die BKB eine Tochterfiliale in der Steueroase Guernsey besitzt und alles andere als fair-banking betreibt.
Im Oktober wurde der nächste Skandal bekannt, die Affäre mit der ASE in Zürich. Auch zu diesem Anlass haben wir wieder über die BKB geschrieben: “Fair-Banking” bei der Basler Kantonalbank.

Und nun sind wir schon der nächsten grossen Sache auf der Spur: Die BKB kauft im grossen Stil ihre eigenen Partizipationsscheine (PS) um den Kurs zu stützen! Da der Kurs trotzdem abgestürzt ist (wegen all den Skandalen), ging das mit einem grossen Verlust von Eigenkapital einher. Es wird wohl geschickt versteckt und nicht publiziert werden, aber dadurch bezahlt der Steuerzahler bereits jetzt ein erstes Mal für die Unfähigkeit der hohen BKB-Manager! Und das nicht zu knapp, wie wir im Folgenden darlegen werden.

Wir haben ein paar Zahlen dazu recherchiert und ein paar Berechnungen angestellt:

Alle Daten lassen sich aus diesen Dokumenten ablesen und berechnen: Jahresabschluss BKB 2011, Halbjahresbericht BKB 2012 und von den Kursdaten der PS von bkb.ch: Handelsdaten BKB-PS. Das Volumen der eigenen PS ist unter “Eigene Beteiligungstitel” in den Berichten aufgeführt.

Am 31.12.2011 besass die BKB 890’000 eigene PS à je 132.40 SFr. Das enspricht einem Volumen von 117’920’000 SFr. Somit besass die BKB bereits vor all den Skandalen15% ihrer eigenen PS. Am 31.06 war der Kurs auf 109.60 SFr./PS. Dadurch ergibt sich in dieser Zeitspanne ein Eigenkapital-Verlust von 20’306’000 SFr!!!

Am 30.06.2012 besass die BKB 1’598’000 eigene PS à je 109.60 SFr. was einem Volumen von 175’170’000 SFr. entspricht. Damals war der Eigenanteil bereits bei 27% aller PS. Am 15.11 war der Kurs auf 98.35 SFr./PS. Dadurch ergibt sich in dieser Zeitspanne eine weitere Wertminderung des Eigenkapitals von 17’980’000 SFr!!!

In dieser Zeitspanne wurden am meisten der PS zwischen dem 30.01.2012 und dem 16.02.2012 gehandelt. Der Kurs ist in dieser Zeit von 135.– auf 113.– gefallen. Wenn wir damit rechnen, dass alle PS, welche zwischen dem 31.12.2011 und dem 30.06.2012 (707’000 Titel!) bei einem Kurs von 122 gekauft wurden (das ist immernoch relativ tief angesetzt!), haben auch diese mit einem Verlust von 8’775’000 SFr. zu Buche geschlagen!

All diese Verluste zusammengerechnet ergeben 47.1 Millionen SFr! Dies mit der Annahme, dass seit dem 1.07.2012 keine Eigenkäufte mehr getätigt wurden und dass der Kurs jetzt stabil bleibt.Nun zu den verkauften PS seit dem 01.07.2012: Vom 01.07.2012 bis zum 15.11.2012 wurden 476’000 PS der BKB verkauft. Dies ist aus den Handelkursdaten der PS ersichtlich. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass es dafür nicht viele natürlichen Käufer gegeben hat, und dass die BKB wiederum den Grossteil dieser Papiere selbst gekauft hat. Wenn wir diese 476’000 Papiere zu den 1’598’000 Papieren (Stand vom 30.06.2012) dazuzählen, besitzt die BKB bereits 2’074’000 ihrer eigenen PS! Bei einer Gesamtmenge von 5’900’000 PS entspricht das einer Menge von 35%! Dh. die BKB hält über einen Drittel der eigenen Papiere, damit der Kurs nicht völlig abstürtzt! Und auch wenn sie nur die Hälfte der verkauften PS in dieser Zeitspanne selbst gekauft haben, liegt der Eigenanteil noch deutlich über 30%.Die Verlustrechnung ist aber noch nicht zu Ende gerechnet: Fachleute gehen davon aus, dass die BKB-PS nachwievor stark überteuert sind und reden von einem angemessenen Wert zwischen 80 und 90 Franken! Wenn der Kurs nun noch weiter fällt, von aktuellen 98.35 SFr./PS verliert die BKB mit ihren eigenen Papieren weitere 17 bis 38 Millionen Franken!

Totale Schadenssumme NUR aus den Eigenkäufen um die PS zu stützen: 64 bis 85 MILLIONEN SCHWEIZER FRANKEN! Natürlich gibt es die Möglichkeit, dass der Kurs der BKB-PS wieder ansteigt, und der berechnete Eigenkapitalverlust nicht als effektiver Verlust hingenommen werden muss. Dies ist aber angesichts der nachwievor starken Überbewertung und den anhaltenden Skandalen nicht wahrscheinlich, viel eher sackt der Kurs noch weiter ab.

Die Unwahrscheinlichkeit, dass der Kurs wieder stark zulegt und grosse Verluste verhindert, ist aber nicht das einzige Problem. Bereits jetzt wird die Verminderung des Eigenkapitals (Kernkapitalquote, Tier Ratio 1) zu einem grossen Problem, weil dieses von der Finma reguliert und die Mindesthöhe vorgegeben wird (Im Falle der BKB sind das 8% plus 4% Puffer). Durch solch voluminöse Eigenkäufe und den Kursverlust sinkt die Kernkapitalquote (31.12.2011: 13.3%) der BKB, und kommt der Mindesthöhe sehr wahrscheinlich gefährlich nahe. Eigenkapitalbeschaffung kann oft problematisch und teuer sein, im Falle der BKB müsste wohl der Kanton Basel Stadt einspringen.

Die ganzen Berechnungen sollen zeigen, dass die verursachten Skandale bereits jetzt stark auf die Staatsgarantie übertragen werden können. Und das sogar noch bevor die Amerikaner entschieden haben, ob sie die BKB verklagen wollen, oder ob diese mit einer vergleichenden Strafzahlung glimpflich davonkommen wird. Und auch bevor die auf kriminelle Weise betrogenen Anleger beim ASE-Skandal entschädigt werden müssen. Und ohne Übersicht über die anderen verursachten Schäden wie Vertrauensverlust und abfliessende Kundengelder.

Warum das Ganze? Aus Gier, Grössenwahn und Dummheit! Was sind die bisherigen Konsequenzen für die Verantwortlichen? KEINE! Anstatt dass man diese frühzeitig pensioniert und mit einer schönen Rente abfindet, sollten diese VERBRECHER eingesperrt werden und für den verursachten Schaden belangt werden! Und mit ihnen gleich all jene, welche weggeschaut haben und ihrer Verantwortung nicht nachgekommen sind, womit Aufsichtsgremien wie der Bankrat oder auch das Basler Finanzdepartement der Regierung gemeint sind!

Der I-Punkt bei der ganzen Sache: fair-banking ist für die BKB sehr wichtig!

P.S.: Die BKB preist ihre PS immernoch als solide Anlagemöglichkeit an, mit der langfristigen Aussicht auf Kapitalwachstum und einer Beteiligung an der sehr erfolgreichen Geschäftsführung der BKB!

Bereits erschienene Zeitungsartikel zum Thema Kurs der BKB-PS und Eigenkäufe:
– Cash.ch am 02.02.2012: Steuerstreit: PS der BKB stürzt ab
Erneut grosser Rutsch des PS nachdem bekannt wurde, dass der Bundesrat Bankdaten an die amerikanische Steuerbehörden weitergegeben hatte. Tiefster Kurs seit zwei Jahren.
– Cash.ch am 18.02.2012: Wie tief fällt der Titel der BKB noch?
Tiefster Kurs seit Januar 2007 wird erreicht. Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht.
– Cash.ch am 22.02.2012: BKB kauft zur Kurspflege eigene Titel auf
Erstmals wird jemand auf die massiven Eigenkäufe der BKB aufmerksam. Bereits Ende 2011 war der Eigenanteil bei hohen 15%. Schätzungen gehen davon aus, dass dieser bis Mitte Februar auf 25% erhöht wurden. Der Halbjahresbericht 2012 und unsere Berechnungen bestätigen diese Schätzungen. Auch wird auf die negativen Folgen auf das Eigenkapital hingewiesen.
– Finma am 25.04.2012: Finma rügt Valiant wegen Verletzung der Marktverhaltensregeln
Die Schweizer Bank Valiant wird von der Finma gerügt, weil diese massiv gegen die Marktverhaltensregeln verstossen hat. Konkret werden massive Eigenkäufe zur Kursstützung verurteilt. Nach langer Stützung konnte der Kurs nicht mehr gehalten werde und stürzte 22% in die Tiefe. Die Analogie zum Verhalten der BKB sind extrem.
– Cash.ch am 20.08.2012: Titel der BKB setzen Sturzflug fort
Nach einer mehrmonatigen Stabilitätsphase stürzt der Kurs weiter ab. Grund ist wahrscheinlich die anhaltende Unsicherheit bezüglich dem Schwarzgeldskandal. Erneute Unterbietung des tiefsten Kurses seit sieben Jahren. Die im Artikel erwähnten Eigenkäufe sind zu tief angesetzt wie der Halbjahresbericht 2012 und unsere Berechnungen beweisen.
– Cash. ch am 10.11.2012: PS der BKB fällt durch wichtige Schranke
Wiederum starker Wertverlust. Seit Anfang des Jahres verloren die PS 25% ihres Wertes und waren beinahe in einem ununterbrochenen Abwertstrend. Grund ist nachwievor der Schwarzgeldskandal sowie der ASE-Skandal. Von der Zürcher Filiale der BKB sind unterdessen über 1.5 Milliarden SFr. abgeflossen. Die angegebenen Eigenkäufe sind noch massiver unterschätzt als im letzten Artikel wie unsere neueren Berechnungen darlegen.

6 Kommentare

  1. Meine Idee wäre statt die Kosten auf die Steuerzahler abzuwälzen, könnte man bei den Komissionskosten und bei dem Sitzungsentgelt des Bankrats einsparen. Was meint Ihr?

  2. Ja, gute Idee. Zuerst beim Management der BKB, bei den früheren BKB-Managern, dann beim Bankrat, und nicht zu vergessen bei der Finanzministerin Herzog!

  3. Nun Ich denke die Basta wird sicher diese Gedanken auch haben

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