Manifest-Entwurf: Wer sind wir?

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Wir sind Menschen wie du: Menschen, die jeden Morgen aufstehen, um arbeiten zu gehen, um zu studieren oder um einen Job zu finden. Menschen mit Familien und Freunden. Menschen, die jeden Tag hart arbeiten um denjenigen, die uns umgeben eine bessere Zukunft zu bieten.

Unsere Hautfarben und unsere Kulturen sind verschieden. Einige von uns bezeichnen sich als aufklärerisch, andere als konservativ. Manche von uns sind religiös, andere wiederum nicht. Einige von uns folgen klar definierten Ideologien, manche unter uns sind unpolitisch.

Aber wir alle sind besorgt und wütend angesichts der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Perspektiven, die sich um uns herum präsentieren: die Fehlentscheidungen und das Schweigen vieler unserer Geistlichen, Politiker und Wirtschaftsverantwortlichen haben unsere Schmerzgrenze jetzt endgültig überschritten.

Diese Situation ist mittlerweile zur Normalität geworden – tägliches Leid, ohne jegliche Hoffnung. Doch wenn wir uns zusammen tun, können wir das ändern. Es ist höchste Zeit, die Dinge zu verändern und gemeinsam eine Gesellschaft zum Wohle für alle zu verwirklichen. Deswegen treten wir eindringlich ein für:

● Freiheit im Kultur- und Geistesleben (soweit anderen nicht geschadet wird)

● Gleichheit im Rechtsleben (sodass Recht nicht mit Geld gekauft werden kann)

● Menschlichkeit im Wirtschaftsleben (zum Wohle der ganzen Gemeinschaft)

Viele unserer im Vorschussvertrauen gewählten Vertreter dieser Bereiche setzen sich trotz Wahlversprechen nicht für uns ein, sondern stellen auf vielerlei Weise sogar ein Hindernis für unseren Fortschritt dar.

Das Wohl von allen müsste als höchste Priorität einer jeden modernen Gemeinschaft gelten. Das Recht auf freie persönliche Entwicklung, Bildung, Kultur, Arbeit, Einkommen, Behausung und Gesundheit, im Sinne einer zufriedenstellenden Existenzgrundlage sind die Werte, die unserer Gemeinschaft zukommen sollten.

Die Demokratie ist die zurzeit von uns gewollte Grundlage unserer Gemeinschaft (demos = Menschen, krátos = Regierung) und besteht aus jedem Einzelnen von uns. Dennoch hört uns ein Grossteil unserer Vertreter überhaupt nicht zu. Anstatt unsere Anliegen in ihre Versammlungen einbringen, bereichern sie sich nebenbei auch noch auf unsere Kosten.

Die Gier nach Geld und Macht und die Verteilung auf einige wenige erzeugt Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Spannungen was wiederum zu Gewalt führt, die wir jedoch ablehnen.

Das heutige Wirtschaftsmodell treibt die gesellschaftliche Maschinerie gleich einer immer fort wachsenden Spirale an, die sich selbst vernichtet, indem sie nur wenigen Menschen Reichtum bringt. Zum Nachteil von allen Anderen bis hin zur Armut vieler von uns. Bis zum völligen Kollaps.

Offensichtliches Ziel und Absicht des derzeitigen Systems ist die Anhäufung von Geld und Macht, ohne dabei auf das Wohlergehen der ganzen Gemeinschaft zu achten. Ressourcen werden verschwendet, die Lebensgrundlagen unseres Planeten werden zerstört und in unserer Gemeinschaft entsteht eine immer grössere Unzufriedenheit, zunehmend auch Arbeitslosigkeit.

Unsere Gemeinschaft bildet, oft noch unbewusst oder hilflos, das Getriebe dieser Maschinerie, welche nur dazu entwickelt wurde, einer Minderheit zu Reichtum zu verhelfen, ohne dass sie sich um unsere Grundbedürfnisse kümmert.

Wenn wir als Gemeinschaft lernen, unsere Zukunft nicht mehr einem abstrakten Wirtschaftssystem anzuvertrauen, das den allermeisten von uns nur schadet, können wir diesen Missbrauch abschaffen, unter dem wir alle leiden.

Wir brauchen ein neues ethischses Grundverständnis für unser Zusammenleben. Wir sind Menschen, keine Produkte. Anstatt das Geld über die Gemeinschaft zu stellen, sollten wir es wieder in den Dienst der Gemeinschaft stellen.

Im diesem Sinne empören wir uns, aber wir glauben daran, dass wir etwas verändern können und wir wissen, dass wir selber die Veränderung sein müssen, die wir in der Welt sehen wollen.

Schliesse dich also unserer Bewegung an und komme mit uns auf die Strasse, um dich zu empören und deine Meinung kund zu tun. Es ist dein Recht.

3 Kommentare

  1. Ich würde mich über Feedbacks, Kritik und Änderungsvorschläge zu meinem obigen Entwurf eines Manifests für Occupy Basel freuen.
    Herzlichen Dank im Voraus.,

  2. Gut geschrieben – das einzige Problem: Wenn wir selber die Veränderung sein wollen, wie sieht dann der Verhaltenskodex aus?
    Oder anderst ausgedrückt: Wasser predigen, aber Wein trinken?
    Konsumverhalten: 2000 Watt Gesellschaft, KFZ-Besitz, beanspruchte Wohnfläche, Eigentum, Miete, Wohngenossenschaft, Kaufverhalten Unterhaltungs und Kommunikationselektronik… etc … etc…
    Altruismus oder Egoismus?
    Patriachat oder Matriachat?
    Monogamie oder Polyamorie?
    Recht auf Rausch?
    Religion?
    Akzeptanz von anders Denkenden: speziell gegenüber sogenannten Faschisten? (siehe Occupy Zürich)
    Wer ist bereit zur “neuen” Bescheidenheit?
    So, das lässt sich beliebig verlängern…

    Soweit meine Stellungnahme

    Andreas

  3. Lieber Roland, Schönes Manifest! Habe meinen eigenen Beitrag hier als Kommentar gestellt. Schön, auch die Dreigliederung so formulliert zu lesen!
    Danke
    Kaspar Heer Kraft

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